Geschichte der UVE


 

Nicht 25, sondern 130 Jahre alt


Ulrich-von-Ensingen Realschule - unsere Schule im historischen Rückblick.

25 Jahre ist es her, dass unsere Schule ein neues Gebäude beziehen konnte. Gewiss ein Anlass, des Feierns würdig, gewiss ein Anlass auch, mit dem Blick zurückzugehen auf Anfänge und Werden dieser Schule. Schon fast zehn Jahre, bevor für das gesamte Land Baden-Württemberg, in durchaus weitschauender Einschätzung der Bedeutung einer “realen Bildung" für ein damals noch junges Industrieland im Aufbruch, den größeren Städten 1864 offiziell die Einführung sogenannter Mittelschulen empfohlen wurde, griff man im Jahre 1856 mit der Gründung unserer Schule der sich abzeichnenden Entwicklung pionierhaft vor. Hier steht also unsere Schule durchaus folgerichtig in der geistigen Tradition ihres berühmten Namensgebers, des Ulrich von Ensingen, der auch als Wegbereiter, hier der sakralen Baukunst, seiner Zeit entscheidende Neuimpulse vermittelte. Er scheute sich ja nicht, im geistigen Vorgriff auf bis dahin kaum Gewagtes, damals geradezu revolutionierend Wirkendes, seine Idee des inzwischen Stein gewordenen Symbols Ulmer Fortschrittsgeistes und Zukunftsvertrauens, des Münsters, auch gegen härteste Widerstände durchzusetzen. Das Jahr 1912 markiert einen weiteren wichtigen Einschnitt in der Entwicklung unserer Schule und belegt in gleicher Weise auch, wie sehr man sich in dieser Stadt neuen, so doch auch notwendigen Entwicklungen gegenüber immer offen zeigte.
Im August 1912 schon wurde die zunächst als ausschließlich evangelisches Institut konzipierte Lehranstalt in eine Simultananstalt umgewandelt, auch dies ein wohlbegründeter wie auch nicht unumstrittener Schritt in eine von geistiger Umorientierung erfaßte Gesellschaft und Bildungslandschaft. Als erkennbar wurde, dass eine vierklassige Anstalt den rasch gestiegenen qualitativen Bildungsansprüchen nicht mehr entsprach, zögerte man nicht lange, im Jahre 1922 eine 5. Klasse zu bilden. Die sofortige Aufstockung zur sechsstufigen Schule war zwar sofort mit in Aussicht genommen worden, mußte aber zunächst zurückgestellt werden, da das Ministerium seine Zustimmung versagte. Mit der Einrichtung von Aufbauklassen hatte man aber dennoch die Sechsstufigkeit, so wie wir sie heute noch vorfinden, verwirklicht. Erst am 5. April 1941 jedoch wurde die Kepler-Mittelschule für Jungen am Charlottenplatz - dieser Name hatte sich in den zwanziger Jahren eingebürgert - als voll ausgebaute Mittelschule anerkannt. Das Gebäude dieser Schule - zwischen Keplerstraße und Karl-Schefold-Straße - wurde am 17.12.1944 durch Fliegerangriffe völlig zerstört.
Im November 1945 dann bereits begann der Unterricht wieder, wenngleich auch unter großen Schwierigkeiten, zunächst in der Kuhbergkaserne Block D, 2. Stock. Auch das ehemalige Standortlazarett auf dem Michelsberg, in das die Kepler-Mittelschule für Jungen schließlich umziehen konnte stellte nur eine Notlösung dar und platzte bald aus allen Nähten. Im April 1962 war es geschafft, die Kepler-Mittelschule für Jungen konnte nach vielen Jahre des Improvisierens bedingt durch die drückende Raumnot in den Neubau Frauenstraße 101 umziehen. Inzwischen zählte man 27 Klassen mit insgesamt 942 Schülern. Nicht alle Klassen konnte das neue Gebäude aufnehmen, so daß 12 der Klassen im Standortlazarett auf dem Michelsberg verbleiben mußten.
Ab Schuljahr 1969/70 bildeten diese am Michelsberg verbliebenen Klassen den Grundstock einer weiteren selbständigen Realschule, die vom Michelsberg nach Söflingen und schließlich in ihren Neubau auf den Kuhberg zog. Im Dezember 1966 wurden die Mittelschulen zu Realschulen umbenannt.
In diesen Zeitraum fallen auch die beiden Kurzschuljahre, nämlich von Ostern 66 bis Weihnachten 66 und von Januar 67 bis zum Sommer 67. Am 19.03.1967 gab die Verwaltung der Stadt Ulm unter Oberbürgermeister Dr. Pfizer unserer Schule den Namen eines der Münsterbaumeister: Ulrich von Ensingen. Die generelle Einführung der Koedukation an allen weiterführenden Ulmer Schulen im Jahre 1972 beendete den Status einer Realschule für Jungen, und wie die Schulstatistik ausweist wurde sie fortan nun auch von den Mädchen sehr stark angenommen. Auch mit Bezug des neuen Gebäudes an der Frauenstraße war die notorische Raumnot noch immer nicht gebannt; so mußte man zeitweise - die Schule wurde nun von den sogenannten starken Jahrgängen durchlaufen - Klassen in die Martin-Schaffner-Grund- und Hauptschule, bzw. ins nahegelegene evang. Gemeindehaus auslagern. Endlich aufatmen könnten wir, angesichts des noch immer zu bewältigenden „Schülerbergs" auch hochnotwendig, als wir im Oktober 1979 unsere Außenstelle in der Friedrichsau, Nagelstraße 6 beziehen konnten.

Autor: Werner Brüker

 

Ein Blechhaufen oder genehme konkrete Kunst mit blanken Flächen ?


Als "Blechhaufen" bezeichnete einst eine Ulmer Stadträtin die Plastik von Erich Hauser namens "Stahl 2/64", die seit nunmehr 20 Jahren die Grünanlagen der Ulrich-von-Ensingen Realschule ziert. Das Gebilde ärgerte nicht nur jene Stadträtin, es animierte auch vor vielen Jahren jemanden, einen dornigen Rosenstrauch genau an "Stahl 2/64" hochzuziehen. Ob nun diese ominöse Verkleidung dazu diente, das ungeliebte Kunstwerk vor den Mitbürgern blumig zu verbergen, oder ob da ein Rosenliebhaber ahnungslos am Werk war, kann der Phantasie überlassen bleiben. Jedenfalls sind Rosenbusch samt Heckenröschen heute nicht mehr an und auf dem"Stahl 2/64" zu finden. Dabei ist der 1930 in Rietheim, Kreis Tuttlingen, gebürtige Künstler keinesfalls ein unbekannter Newcomer. Dem Bildhauer wurde bei der zehnten Kunstbiennale der Stadt Sao Paulo (Brasilien) der Hauptpreis "Premio Itamaraty" für seine dreiteilige Stahlskulptur zuerkannt. Der Preis war mit 40 000 Mark dotiert. Seine erste Einzelausstellung hatte Erich Hauser übrigens 1961 im Studio f.  Auch auf der dritten und vierten documenta in Kassel war der schwäbische Bildhauer, der inzwischen internationalen Rang erreicht hat, vertreten. Vor der Ulrich-von-Ensingen Realschule  posiert der bizarre Stahlvogel flügellos auf drei spitzen Beinen und gleich zwei Betonsockeln. Gut drei Meter hoch mißt das stählerne Werk mit den meist blanken Flächen.  Einbrüche und Ausbuchtungen, viele spitze Winkel und Flächen, die gefaltet wie die eines Papiervogels wirken. Die kleinen rauhen Oberflächen kontrastieren auf der symmetrischen Stahlplastik. Der bei Rottweil lebende Künstler, schuf hauptsächlich Werke in der Formtradition der Obelisken und Stelen. Konkrete Kunst, praktisch umgesetzt, die technisch-maschinell gefertigt wurde. Industriemäßige Produktion kennzeichnet die Plastik, für die Stahl als Werkstoff diente. Die Faltung des Vogels kommt durch maschinelle Biegung der unterschiedlich großen ungeschliffenen Stahlplatten zustande. Die glänzend polierten und. klar strukturierten Flächen vermitteln einen technischen Eindruck.
Plastisch aber wird die Plastik durch das Zuordnen, Aneinanderreihen, Neben- und Gegeneinanderfügen der Flächen. Spannung und Gegensätzlichkeit zwischen Technizität und Labilität. Erich Hauser bemerkte zu seiner Plastik, Stahl 2/64: "Ich habe in den letzten Jahren feststellen rnüssen sehr zu meiner Überraschung, daß ich eine Art politischer Künstler bin, jedenfalls was die Wirkung angeht. Auf meine Plastiken wird geschossen, Stadträte ereifern sich, Bürger werden initiativ." Eine Sache der Anschauung! Was meinen Sie, liebe Leser, zu solchen und anderen Produkten? Ab September werden wir Sie befragen. Wenn Sie mitmachen bei der Abstimmung, locken viele attraktive Preise.
Auszug aus der Suedwestpresse vom 05.09.84

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
   
     
 

 

ULRICH-VON-ENSINGEN-GEMEINSCHAFTSSCHULE
Frauenstraße 101
89073 Ulm


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